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Ausstellung "Übergänge" 2026 in Weinheim

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Übergänge

Rede von Caroline Messelhäußer: Vernissage „Übergänge“ Malerei auf Leinwand von Julia Asfour 28. Juni 2026 (bis 06.12.2026) Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Kunstfreunde, liebe Julia, auch ich begrüße Sie sehr herzlich zur heutigen Vernissage mit den spannenden und faszinierenden Werken einer herausragenden Weinheimer Künstlerin, Julia Asfour. Ich freue mich sehr, nach den beiden Ausstellungen auf der Wachenburg mit dem Titel „Lichtes Blau“ im Jahr 2019 und der im Weinheimer Schloß „Hoch Sieben“ im Jahr 2024 nun wieder bei der Vernissage als Weinheimer Kunsthistorikerin aktiv mitwirken zu können, um Ihnen, liebe Gäste, die Kunst und die Künstlerin näher vorzustellen. Eine Künstlerin oder einen Künstler über Jahre zu begleiten, macht meinen Job so spannend. Zu sehen, wie sich der- oder diejenige über die Jahre weiterentwickelt, sei es in hinsichtlich der Techniken, der verwendeten Farben, der Darstellungsweisen, der Themen – oder in der Symbiose von alledem. Nach der Wachenburg und dem Schloß Weinheim sind wir nun wieder an einem ganz außergewöhnlichen Ort für Kunst, für die Präsentation von Kunst, hier in den neuen Räumlichkeiten der Firma dioptik Der Titel „Übergänge“ ist wie immer absolut hervorragend von Julia Asfour gewählt, denn dieser Begriff – Übergänge – zieht sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes künstlerisches Schaffen. Die studierte Grafik-Designerin begann ihre künstlerische Laufbahn zunächst mit der Aquarellmalerei. In diesen frühen Arbeiten ließ sie durch das freie Fließen der Farben innere Seelenlandschaften entstehen – poetische Bildräume voller Atmosphäre und Emotion. Parallel dazu entwickelte sie Collagen, in denen sie figurative Fotografie mit Aquarellmalerei auf Aludibond verbindet. In Ihren Werken, die sie auch in dieser Ausstellung sehen, finden wir Übergänge zwischen Farbe und Form, zwischen Licht und Schatten, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Oberfläche und Tiefe. Julia Asfour interessiert nicht das Eindeutige oder klar Abgegrenzte. Ihre Kunst bewegt sich vielmehr in Zwischenräumen – dort, wo etwas entsteht, sich verändert oder auflöst. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in ihren Acrylarbeiten, die den Schwerpunkt ihres Œuvres bilden. Hier beherrscht sie unterschiedlichste Techniken mit beeindruckender Souveränität: Sie malt, rakelt, gießt verdünnte Farbe auf die Leinwand oder arbeitet direkt mit der Farbe aus der Tube. Sie verwendet Kohle, Kreiden und Schellack, arbeitet mit sanddurchsetzter Spachtelmasse oder Marmormehlpaste. Dadurch entstehen vielschichtige Oberflächen, die eine starke haptische Wirkung entfalten. Diese Schichtungen erzeugen nicht nur Tiefe – sie machen Veränderung sichtbar. Das Bild „arbeitet“, Risse entstehen, Strukturen brechen auf. Auch darin offenbart sich ein Übergang: jener zwischen Kontrolle und Zufall, zwischen künstlerischer Intention und dem Eigenleben des Materials. Die Werke verlassen dadurch die reine Zweidimensionalität und wirken in den realen Raum hinein. Ein weiterer Übergang zeigt sich in der Verbindung von Bild und Sprache. Julia Asfour besitzt eine ausgeprägte Liebe zur Literatur und insbesondere zur Lyrik. Worte und Wortfragmente finden Eingang in ihre Werke und treten dort in einen Dialog mit Naturmotiven wie Wolken, Bergen oder Wasserlandschaften. Sprache wird Bild, Bild wird Sprache – auch hier verschwimmen die Grenzen. Von existenzieller Bedeutung sind für die Künstlerin zudem Farbe und Licht. Ihre Werke leben von der Harmonie dieser beiden Elemente. Licht war in der Kunstgeschichte seit jeher Träger von Stimmung, Symbolik und Emotion. Licht lenkt den Blick, schafft Atmosphäre, verleiht Lebendigkeit. Julia Asfour nutzt Licht jedoch nicht bloß als Mittel zur Darstellung, sondern als eigenständige Kraft innerhalb des Bildes. Ihre Werke bewegen sich im Übergang zwischen Sichtbarkeit und Geheimnis, zwischen Offenbarung und Andeutung. Besonders prägend ist dabei die Farbe Blau. Betrachtet man ihr Werk, begegnet uns Blau immer wieder – in dunklen Tiefen, in leuchtendem Ultramarin oder in fast transparenten hellen Nuancen. In jüngerer Zeit treten verstärkt Sand- und Erdtöne hinzu, wodurch neue Spannungsfelder entstehen: Kühle trifft auf Wärme, Himmel auf Erde, Ferne auf Nähe. Blau ist eine Farbe voller Bedeutungen: Sie steht für Harmonie, Sehnsucht, Stille, Vertrauen und Unendlichkeit. Sie ist die Farbe des Himmels und des Wassers, des Bewussten ebenso wie des Unbewussten. Leonardo da Vinci beschrieb Blau einst als etwas Immaterielles – als metaphysische Mischung aus Sonnenlicht und der „Schwärze der Weltfinsternis“. Viele Künstler fühlten sich von dieser Farbe angezogen: Denken wir an Franz Marc und seine blauen Pferde, an Pablo Picasso und seine Blaue Periode oder an Yves Klein mit seiner monochromen Farbwelt. Julia Asfour widmet sich vor allem elementaren Naturdarstellungen: Wolken, Erde, Wasser, Berge, Meer. Gerade ihre Bergbilder lassen oft offen, ob wir tatsächlich Berge sehen oder Wolkenformationen. Die Wolke selbst ist ein Sinnbild des Übergangs – ständig im Wandel. In der Kunstgeschichte wurde der Himmel besonders in der Romantik neu entdeckt. Die Landschaftsmalerei erhielt dadurch einen neuen Rang, und Wolken wurden zu eigenständigen Bildmotiven. Auch Julia Asfour gelingt es, diese Flüchtigkeit und Wandelbarkeit eindrucksvoll auf die Leinwand zu übertragen. Vor kurzem beschäftigte sich die Künstlerin intensiv mit Wasser und Eis. Es sind faszinierende Werke entstanden, die den Betrachter unmittelbar in ihren Bann ziehen. Die Eislandschaften, die gefrorenen Wasserflächen und die aufgewühlten Wellen besitzen eine spürbare Tiefenwirkung. Weiß- und Türkistöne verstärken die Atmosphäre von Kälte und Klarheit. Gleichzeitig entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen Erstarrung und Aufbruch. Vielleicht liegt gerade darin die besondere Kraft ihrer Kunst: Sie zeigt uns keine abgeschlossenen Zustände, sondern Prozesse. Die neuesten Werke sind so neu, dass die Farbe kaum Zeit hatte, richtig zu trocknen. Diese hat sie ebenfalls mitgebracht, wir können sie hier in diesem Raum bewundern. Zum ersten Mal hat sich Julia Asfour an richtig großformatige Werke gewagt und – wie Sie sehen können – sind wieder faszinierende Bildwelten entstanden. Vor einigen Tagen sagte sie zu mir: „Hach, Caroline, Du glaubst ja nicht, wie toll das war. Einfach auf dieser großen Fläche mit Farbe zu arbeiten, in die Farbe einzutauchen, rings um mich herum war Farbe. Einfach herrlich.“ Diese Begeisterung, liebe Julia, strahlst du auch aus, Du als Person, aber auch in Deinen Kompositionen. Dieses Werk vereint vieles von dem, was ich gerade näher ausgeführt habe: explosive, aber harmonische Farbigkeit mit faszinierenden Farbverläufen und hier findet man diese aufgesprungenen Partien. Es ist dynamisch, geheimnisvoll, wirkt doch auch vertraut, aber vor allem positiv auf uns Betrachter. Zusammenfassend kann man, denke ich sagen, dass ihre Bilder vom Wandel, vom Dazwischen, vom Übergang erzählen. Sie laden uns ein, genauer hinzusehen, innezuhalten und uns auf atmosphärische Räume einzulassen, die sich nie vollständig festlegen lassen. Julia Asfour ist eine facettenreiche Künstlerin, die mit sicherem Gespür für Farbe, Licht, Material und Stimmung immer wieder neue Bildwelten erschafft. Ihre Werke faszinieren durch Tiefe, Emotionalität und Offenheit – und sie ziehen uns gerade deshalb in ihren Bann, weil sie keine einfachen Antworten geben, sondern Räume für eigene Gedanken und Empfindungen öffnen. Wir dürfen gespannt sein auf ihr weiteres künstlerisches Wirken in den nächsten Jahren. Wenn Sie Fragen haben, dann sprechen Sie die Künstlerin an. Sie steht bereit und freut sich sehr über Ihr Interesse. Die Ausstellung ist somit offiziell eröffnet. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. Caroline Messelhäußer, M.A. Kunsthistorikerin

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Foto Bettina Haag

Julia

Foto: Makoto Makabe

Ausschnitt Übergänge
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